Feb 2, 2008

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Fasching 2008

 

Bühnenfest im Storchennest

 

Die Vorbereitung des Programms erfolgt routinemäßig in einem Kreis, der aus etwa einem Dutzend Vereinsmitgliedern besteht. Da werden Ideen geboren, vorgetragen, verworfen und zum Glück auch angenommen. Das geht manchmal recht turbulent zu, führt jedoch zu einem verwertbaren Gerüst. Dieses enthält den Inhalt der einzelnen Programmteile, die Namen der beteiligten Mitglieder, vorerst noch allgemein gehaltene Abläufe und anderes. Das wichtigste dabei ist natürlich das Motto der Veranstaltung. Es soll einen Rahmen für die einzelnen Darbietungen bilden. Auch erleichtert es den Gästen ein wenig die Auswahl ihrer Kostüme. Im Laufe mehrerer Sitzungen wird dieser Rahmen gefüllt, erhält Farbe und Struktur.

Dabei geht es durchaus nicht staubtrocken zu, denn die Vorschläge sind zum Teil recht heiter und überraschend. Und da die Sitzungen im Wirtshaus stattfinden, sind die Diskussionen gelegentlich lebhaft, wortstark und gestenreich. Vor allem machen aber diese Sitzungen den Beteiligten Spaß. Hier erfolgt erste mentale Einstimmung auf die heiße Phase der Saison. Dieser Teil der Vorbereitung muss zu Weihnachten abgeschlossen sein, geht doch spätestens im Januar das Training los.

Meist werden zwei Gruppen gebildet. Eine der Sängerfrauen macht denen im Wortsinn Beine, denn hier werden Tänze geprobt. Anfangs holpert immer ein wenig überzeugendes, relativ farbloses und stockendes Bild der jeweiligen Szene über die Bühne. Im Verlaufe weniger Wochen wird daraus eine fetzige Nummer, die dann durch ihre Originalität, Komik und ihren Witz die Gäste auf die Bänke treibt. Die dabei benötigten Requisiten werden selbst hergestellt; auch die Kostüme werden meist selbst geschneidert. Daraus ergeben sich logischerweise Widersprüche zwischen dem Maß an Kraft und Zeit, das zur Verfügung steht und dem Bestreben, besser als im Vorjahr zu sein. Über die Anzahl der verkauften Karten wird ja bereits durch die Klasse der Vorjahresveranstaltung entschieden. Bisher gab es nie Sorge, die Plätze zu füllen. Eher gab es Klagen von Interessenten, die keine Karten erhalten konnten. Dieses Problem ist den Veranstaltern bekannt, haben sie doch schon seit Jahren auf Werbemaßnahmen wie Zeitungsinserate oder ähnliches verzichten können. Trotzdem sind die Karten meist sehr schnell vergriffen. Das macht uns einerseits froh, indes erkennen wir natürlich auch das Problem, das darin liegt. Eine Verlängerung der Saison auf drei Veranstaltungen ist uns jedoch nicht möglich. Zum einen sind in der dritten Woche die meisten anderen Ortschaften mit ihren Veranstaltungen „dran“. Zum anderen sollte nicht übersehen werden, dass eine solche Serie ganz ungewöhnliche Ansprüche an all Mitwirkenden und auch ihren Familien stellt.


Nun aber geht es los!

 

Der Einmarsch, ganz klassisch mit Richard Strauss, eröffnet ein Programm, so frisch und farbenfroh, dass eine Pracht ist. Wie jedes Jahr mischt sich Bewährtes und Überraschendes. Das Männerballett mit seinen kessen Kostümen bringt die ersten Lacher. Da vom Entertainer das ganze als Generalprobe angekündigt ist, weiß niemand, ob die anfänglichen Stockungen eine Panne oder geplant ist. Tatsächlich aber hat einer der Herren hinter der Bühne Schwierigkeiten beim schließen seines BHs (aber welcher Mann von Welt ist schon „darin“ geübt!).

Mit al Bano und Romina kommt Power originell dargeboten über die Rampe. Eine „Vorher – Nachher – Show“ zeigt, wie sich die schöne Cher verändert hat, wenn sie im Abstand von dreißig Jahren den MGV-Fasching ein 2. Mal besucht. Was da – graziös wie die Bautzener Wasserkunst – in supereleganten – Stilettos trittsicher die Tanzfläche adelt, steckt souverän den begeisterten Beifall weg. Leider aber geben sich auch zwielichtige Gäste die Ehre! Unser Zahnarzt lebt seine beträchtliche kriminelle Energie bei der Darstellung eines Ba-Ba-Banküberfalls aus. Aber wir wissen es: er kann kein Blut sehn, darum muss er bluffen. Wie sein Vorbild von der EAV muss er am Schluss „was einzahlen“. Eine Nummer größer ist da ein bekanntes Kollektiv, das ebenfalls versucht, mit Kühnen Plan zu Geld zu kommen. Aber ach! Auch hier steckt die Tücke im Detail. Egon kommt kurz vor dem großen Knüller seiner Karriere zu Fall und wird von zwei doofen Polizisten aufs Kreuz gelegt. Zum Glück ist der rettende Engel in Form einer gut gebauten Krankenschwester nicht weit. Mit einer kleinen Intimbehandlung wird ihm wieder auf die Beine geholfen. So kann er auf eigenen Füßen den bekannten Weg in den Knast antreten. „Lebenslänglich“ bekommt aber nicht Egon Olsen, sondern Matthias Reim, der mit lässigem Selbstbewusstsein Kohlen ins Feuer schippt und die Halle weiter anheizt. Das ist es, was die jüngeren Damen hören und sehen wollen!

Die Neuigkeit der Saison besteht in einer Girlgruppe – hier „Funkenmariannen“ genannt – die in prächtigen Uniformen und exaktem Gleichschritt ihre Runde dreht. Dass sie dabei von einer gut trainierten Siebenjährigen kommandiert werden, kommt bei den Gästen besonders gut an. Der Gegensatz zu einer Nummer, bei der das angeblich schönste Gesäß der Welt eine Rolle spielt, ist sehr deutlich, aber gewollt. Die Prinzen warnen vor umetikettierten Speisen, die ja in der jüngeren Vergangenheit in die Schlagzeilen gerieten.

So nimmt die Show zur Freude von Publikum und Darstellern gleichermaßen ihren Lauf. Kurz nach zehn ist dieses Feuerwerk vorbei und den langen Rest der Nacht bestreiten Publikum und DJ allein. Das macht den Beteiligten auch diesmal keinerlei Schwierigkeiten, die gute Vorbereitung der Veranstalter und die ebenso gute Stimmung der Gäste sind die Garantie dafür.

Der Männergesangsverein ist sich seiner Rolle als kulturelles Schwergewicht des Dorfes wohl bewusst. Das verleitet seine Mitglieder glücklicherweise nicht zu selbstzufriedenen Nabelschau, sondern ist ihnen Ansporn, im nächsten Jahr wieder mit neuen Ideen zu überraschen. Sie wünschen sich dabei auch aus den Reihen ihrer Gäste weiterhin Unterstützung bei Vorbereitung und Durchführung dieses kulturellen Höhepunktes in der Region. Wir freuen uns bereits auf Ihr kommen!

 

Stefan Schulze

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